Vorbereitung zum MPU-Test: Was passiert bei der psychologischen Vorbereitung?

Vorbereitung zum MPU Test – was passiert bei der MPU Vorbereitung?

Vorbereitung zum MPU Test
Vorbereitung zum MPU Test

Vorbereitung zum MPU Test – Interview mit der Psychologin des Institutes für verkehrspsychologische Beratung MaPro GmbH, Angelina Bischel.

 

Über die Vorbereitung zum MPU Test gibt es in den Medien nicht viele Information, obwohl das Thema nach wie vor aktuell bleibt. In den letzten 2 Jahren haben viele Prominente ihren Führerschein abgeben müssen, unter anderem: Stürmer Christiano Ronaldo von Real Madrid, Schauspieler Marat Bascharov, der bekannte Rock-Musiker Garik Sukachev, der Oberbürgermeister von Tallin Edgar Savisaar, der französische Schauspieler Gérard Depardieu, SpielerRio Ferdinand von Manchester United , der StürmerRoman Ljuduchin von Spartak Moskau  – die Liste kann noch weiter und weiter geführt werden.

Laut den Berichten der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt), werden jährlich etwa 99.000 Fahrer auf ihre Fahreignung geprüft. Doch nur 60% davon bekommen ein positives Ergebnis. Es gibt viele Gerüchte rund um die MPU – die medizinisch-psychologische Untersuchung. Richtig sind diese meistens nicht. Was wirklich bei der MPU passiert, erfahren wir gleich von der Psychologin der Firma MaPro GmbH, Angelina Bischel.

Vorbereitung zum MPU Test- das Interview mit Angelina Bischel

Angelina, was bedeutet Verkehrspsychologe?

– Der Verkehrspsychologe ist ein Diplom-Psychologe, der sich auf die verkehrspsychologische Beratung bei Führerscheinentzug spezialisiert hat. Die Verkehrspsychologen bereiten diejenigen, die ihren Führerschein durch eine Alkoholfahrt mit über 1,6 Promille, durch eine Drogenfahrt oder durch zu viele gesammelte Punkte in Flensburg verloren haben, auf den MPU Test – die medizinisch-psychologische Untersuchung – vor.

Die Spezialisierung des Bereiches Verkehrspsychologie setzt eine kontinuierliche Weiterbildung voraus. Von mir kann ich sagen, dass ich regelmäßig an Weiterbildungen und Seminaren zu den verkehrspsychologischen Themen teilnehme.

Inzwischen gibt es in Deutschland sehr viele Firmen, Institute und Organisationen, die auf die MPU vorbereiten. Worauf muss man achten bei der Auswahl geeigneter Spezialisten?

– Es stimmt, es gibt mehrere Firmen, die die Vorbereitung zum MPU Test durchführen. Viele arbeiten mit dem Fragenkatalog, der im Internet zu finden ist. D.h. der Kunde wird trainiert auf bestimmte Fragen, „richtige“ Antworten zu geben.

Wir, bei der MaPro GmbH, haben ein anderes System. Wie versuchen zusammen mit dem Kunden die Ursachen für sein Fehlverhalten herauszufinden und sein Verhalten zu verändern. Sei es alkoholbedingte Probleme, oder Drogenabhängigkeit oder häufige Verstöße gegen verkehrsrechtliche Bestimmungen. Wir haben als Ziel nicht nur die Wiedererlangung der Fahrerlaubnis, sondern ein langfristiges Ziel – dem Kunden zu helfen, die Ursachen für sein Fehlverhalten rauszufinden, diese zu verändern, damit es in Zukunft nicht noch mal vorkommt.

Vorbereitung zum MPU Test – Wie fängt sie an?

– Es fängt mit einem kostenlosen Anruf (0800-670 7000) in einer von unseren 11 Filialen an. Dann werden die Kunden zum ersten Gespräch eingeladen, in dem organisatorische Bedingungen abgesprochen werden: die Dauer der Vorbereitung, die Kosten, welchen Analysen erforderlich sind usw. Dann wird der erste Termin mit dem Psychologen festgelegt.

Wie viele Termine beim Psychologen werden es in der Regel? Wie lange dauert die psychologische Vorbereitung überhaupt?

– Es ist sehr unterschiedlich, je nach dem wie bereit die Kunden sind an sich zu arbeiten. Es kommen manchmal Kunden, die immer noch glauben, dass sie ungerecht ihren Führerschein verloren haben, dass sie nur Pech hatten und keine Schuld bei sich sehen. Da müssen wir ganz von vorne anfangen: Akzeptanz und Verständnis für die Entscheidung des Verkehrsamtes, Bewusstsein für das Problem zu erarbeiten sind wichtig. Meine Aufgabe ist dann, den Wunsch zu wecken an sich zu arbeiten, das eigeneVerhalten zu analysieren und sich dann zu ändern.

Dann dauert die Vorbereitung auch länger, der Kunde muss Zeit und Geduld haben. Wichtig ist aber daran zu denken, dass die Vorbereitung zum MPU Test keine verlorene Zeit ist. Sie investieren Zeit und auch Geld letztendlich in ihre Gesundheit, ihr Wohlbefinden, ihr Leben.

Wie kann man denn den Wunsch wecken, an sich zu arbeiten, wenn der Kunde überzeugt ist, dass er nur „Pech hatte“?

– Die Aufgabe des Psychologen ist ja dem Kunden zu helfen, sein Problemverhalten zu erkennen, zu analysieren und an der Lösung von dem Problem zu arbeiten.

Es passiert nicht sofort. Wir erzählen auch nicht viel und sagen auch nicht, wie die Menschen richtig zu leben haben. Das Gespräch mit dem Psychologen ist immer ein Dialog, wo der Kunde langsam zu der Erkenntnis kommt, dass sein Verhalten nicht richtig war. „Ja, ich habe einen Fehler gemacht und das möchte ich ändern!“ – das ist das erste Resultat unserer Zusammenarbeit.

D.h. der Psychologe hilft dem Kunden,  sein Fehlverhalten zu akzeptieren und eine Lösung für das Problem zu finden?

– Genauso. Es gibt aber manchmal Kunden, die für sich schon viel gemacht haben und ihr Problem bereits klar erkennen und beschreiben können. Das vereinfacht unsere Arbeit enorm.

Wie lange dauert die Vorbereitung zum MPU Test durchschnittlich?

– Etwa 3 Monate. In dieser Zeit finden mehrere Termine zur psychologischen Vorbereitung statt, die insgesamt 12-16 Stunden dauern. Das ist aber von den Wünschen und Möglichkeiten des Kunden abhängig.

Welche Methoden benutzen Sie bei der Vorbereitung zum MPU Test: individuelle Gespräche oder Gruppensitzungen?

– Unsere langjährige Erfahrung hat gezeigt, dass die individuellen Gespräche viel effektiver sind. Unsere Statistik zeigt, dass die individuelle MPU Vorbereitung einer von den wichtigen Faktoren der positiven MPU ist.

Und wie werden die Gespräche mit dem Psychologen terminiert?

– Wir arbeiten sehr kundenorientiert und vergeben die Termine so, dass es dem Kunden passt. Wir bieten Termine z.B. auch nachmittags und samstags an.

Wie lange dauert ein Termin beim Psychologen?

– Auch hier hängt es von den Möglichkeiten und Wünschen des Kunden ab. Wir versuchen unseren Kunden, die eine längere Anreise (300-400km) haben, entgegenzukommen und die Zeit effektiv zu nutzen und bieten weniger Termine, die aber länger dauern (3 bis 4 Stunden) an. Wenn der Kunde in der Nähe wohnt und die Möglichkeit hat, dann sind es mehrere Termine, die dementsprechend kürzer sind.

Es gibt ja im Internet viele Foren, wo das Thema MPU heftig diskutiert wird. Häufig liest man da, dass auch „komische Fragen“ gestellt werden, wie z.B. „ Wie viele Kurven gibt es in Deutschland». Stimmt das und welche Fragen werden beim MPU Test wirklich gestellt?

– Natürlich, kommen solche Fragen nicht vor. Das ist eine Anekdote. Die MPU ist eine ernste Untersuchung, die nach bestimmten, festgelegten Kriterien durchgeführt wird. Im Rahmen der MPU muss der Gutachter eine behördliche Fragestellung beantworten, nämlich ob bei der  Person wichtige Gründe, die gegen die Fahrtauglichkeit sprechen, vorliegen und ob zu erwarten ist, dass die Person noch mal auffällig wird.

Bei der Vorbereitung zum MPU Test arbeiten wir mit den gleichen Kriterien, wie auch die MPU Gutachter.

Welche Kriterien sind das?

– In erster Linie, muss das Problem, das zum Führerscheinentzug geführt hat, dem Kunden bewusst werden. Bei der Drogenabhängigkeit liegt es oft an der Oberfläche, bei der Alkoholabhängigkeit nehmen nicht alle Betroffenen das Problem wahr. Oder bei häufigen Verstößen gegen die Verkehrsregeln, denken viele Betroffene erst, dass sie keine Ausnahme sind und viele so fahren, nur sie hatten Pech gehabt, erwischt zu werden.

In dieser Phase arbeiten wir mit statistischen Daten, erzählen z.B., dass nur 0,1% aller Fahrer ihren Führerschein wegen zu vieler Punkte abgeben müssen. Nur 0,1 Prozent!

Das nächste Kriterium – der Klient soll das Problem adäquat gelöst haben und alternative Verhaltensweisen für sich erarbeitet haben. Zum Beispiel im Falle einer Abhängigkeit – den Konsum von Alkohol bzw. Drogen einzustellen und die Situation, die früher das Trinken ausgelöst haben, anders meistern (nach dem Feierabend statt Bier auf der Couch ins Fitness-Studio oder Joggen gehen).

Außerdem muss der Kunde wissen, warum sich das problematische Verhalten bei ihm entwickelt hat. Welche äußeren und inneren Umstände haben dazu beigetragen?

Das letzte, aber sehr wichtiges Kriterium – der Kunde muss wissen, was er in Zukunft anders machen muss, damit es nicht zu neuen Verstößen kommt. Er soll wissen, wie er sich von einem Rückfall in die Abhängigkeit oder das alte Verhaltensmuster schützen kann.

Die häufigste Ursache für eine MPU ist eine Alkoholfahrt. Wie arbeiten Sie mit den Menschen, die durch eine Alkoholfahrt auffällig geworden sind?

– Viele unsere Kunden glauben, dass 1-2 Flaschen Bier jeden Tag nach der Arbeit – normal und unschädlich sind. Da präsentieren wir die Ergebnisse aus medizinischen Studien zum Thema, wie viel Alkohol darf man überhaupt trinken, damit es unserem Körper keinen Schaden zufügt? Welche Wirkung hat der Alkohol auf den menschlichen Körper? Was ist Promille? Wie wird Promille berechnet? Was ist Alkoholabhängigkeit? Welche Symptome sprechen für das Vorliegen einer Alkoholproblematik oder Abhängigkeit?

Und wie arbeiten Sie mit den alkoholabhängigen Menschen?

– Alkoholabhängigkeit ist eine Diagnose, die vom Arzt gestellt wird. Im zeitlichen Ablauf der Entwicklung des Alkoholismus können (nach der Einteilung durch Jellinek) 4 Phasen unterschieden werden:

  • voralkoholische Phase
  • Anfangsphase
  • kritische Phase
  • chronische Phase.

Die erste Phase, die voralkoholische, ist das übliche Alkoholtrinken: beim Essen, zu festlichen Gelegenheiten usw. Wenn da häufiger und auch mehr getrunken wird und wenn der Alkohol wegen seiner Wirkung  getrunken wird (der Alkohol verschafft Erleichterung, verdeckt Probleme und täuscht ein Gefühl der Stärke vor), dann ist der Weg in die Anfangsphase bereits beschritten.

In dieser Phase kommt es zu «Gedächtnislücken» während der Trinkperiode und stärkerer Abhängigkeit vom Alkohol. Gelegenheiten werden gesucht, ein paar Gläser oder Schnäpse ohne Wissen des Partners oder der Kollegen zu trinken (heimliches Trinken), die Gedanken kreisen fast ständig um den Alkohol. Gewissensbisse wegen des steigenden Alkoholkonsums verunsichern zunehmend die Persönlichkeit und steigern den Alkoholkonsum weiter: Der Mensch beginnt allmählich die Kontrolle über seinen Alkoholkonsum zu verlieren.

An diese Phase schließt die kritische Phase an. In dieser Phase kämpft der Betroffene gegen seine Alkoholkrankheit und verfällt ihr dennoch immer mehr. Weitere typische Charakteristika dieser Phase sind: der Versuch, sein Trinken zu rechtfertigen, wachsendes Desinteresse an Freizeitbeschäftigungen; Streitereien in der Familie und Konflikte am Arbeitsplatz bis hin zum Arbeitsplatzverlust.

In der Folge isoliert sich der Alkoholkranke zunehmend, auch seine Freunde ziehen sich von ihm zurück. Er vernachlässigt seine Ernährung und trinkt regelmäßig schon am Morgen oder am Vormittag. Beim Absetzen des Alkohols treten verschiedene Entzugserscheinungen auf (z. B. Zittern, Brechreiz, Schweißausbrüche u. ä.). Neben der psychischen Abhängigkeit hat der Kranke jetzt auch die körperliche Abhängigkeit entwickelt.

Die chronische Phase der Alkoholabhängigkeit setzt mit Rauschzuständen ein, die oft tagelang andauern. Typisch für diese Phase sind auch die organischen Schädigungen des Gehirns, die sich in deutlichen Gedächtnisstörungen und einer Veränderung der Persönlichkeit des Alkoholkranken zeigen.

Welche wichtigen Symptome kennzeichnen die Alkoholanhängigkeit»?

– Das erste Symptom ist das Fehlen einer Abwehrreaktion des Körpers bei Trinken von größeren Mengen Alkohol (Erbrechen, Übelkeit). Das zeigt, dass der Körper sich an die Mengen von Alkohol gewöhnt hat. Ein weiteres Symptom – Entzugserscheinungen, wenn der Mensch bei Wegbleiben von Alkohol körperlich sich unwohl fühlt. Gedächtnislücken sind auch ein Zeichen der Abhängigkeit. Das wichtigste Symptom ist der Verlust der Kontrolle über Alkoholkonsum.

Vorbereitung zum MPU Test -werden diese Symptome schon beim ersten Termin besprochen?

– Ja, wir sagen allen Kunden sofort, dass wir ihnen unsere Hilfe anbieten und das können wir am besten nur, wenn der Kunde absolut offen ist und auch über die Dinge spricht, die ihm vielleicht  unangenehm oder peinlich sind. Den Psychologen, den Arzt und den Rechtsanwalt darf man nicht anlügen. Alles, was mir der Kunde erzählt, bleibt unter uns. Manchmal erzählen mir die Kunden die Sachen, die nicht mal ihre Ehefrauen wissen.

Wie sieht denn die Arbeit mit dem Psychologen genau aus?

– Erstmal ist es wichtig, dass dem Kunden sein Problem bewusst wird. Der zweite Schritt – Ursachenanalyse. Hier versuchen wir rauszufinden, warum der Kunde Alkohol oder Drogen konsumiert hat, warum er häufig die Verkehrsregeln missachtet hat. Und hier ist es wichtig, eine Ursache in sich zu finden, seine eigenen Schwächen zu kennen und nicht die Schuld bei den anderen suchen: falschen Freunden oder schlechte Beziehung in der Familie oder schlechte Integration. Viele Menschen greifen in gleichen Situationen nicht zum Alkohol oder Drogen, warum haben Sie für sich so einen Weg gewählt? Wir versuchen zusammen mit dem Kunden, sein Charakter, sein Verhalten zu analysieren und seine Schwächen zu benennen.

Aber nicht jeder ist bereit, über seine Schwächen zu sprechen?

– Genau aus dem Grund haben wir uns für die individuelle Gespräche entschieden. In der Gruppe fällt es den meisten Menschen noch schwerer sich zu öffnen.

Wie geht es weiter mit der psychologischen Vorbereitung?

– Dann überlegen wir die alternativen Verhaltensweisen. Zum Beispiel wenn einer seinen Stress und seine Müdigkeit nach dem Feierabend mit einer Flasche Bier gelöst hat, listen wir auf, was er anders machen könnte. Für einen ist es spazieren gehen im Park, für den anderen ein neuer Film im Fernsehen oder Teetrinken mit der Frau. Wichtig ist, dass der Psychologe keine fertigen Lösungen anbietet, sondern der Kunde selbständig die Ideen für sein Verhalten entwickelt.

Gibt es noch weitere Themen in der Vorbereitung?

– Einer der wichtigsten Themen überhaupt ist das Verhalten in der Zukunft. Hier ist es wichtig zu überlegen, welche Situationen, Stimmungen, und Gedanken können in der Zukunft das alte Verhalten provozieren und wie der Betroffene sich davon schützen kann.

Reichen 3 Monate Vorbereitung um sein verhalten, sein Lebensstil komplett zu ändern aus?

– Natürlich braucht das Zeit. Es passiert ja nicht von heute auf morgen, dass der Mensch anders denkt und sich anders verhält. Wir raten auch deshalb unseren Kunden immer, sofort nach dem das Problem bekannt geworden ist (z.B. Alkoholfahrt) mit der psychologischen Vorbereitung anzufangen. Dann haben Sie mehr Zeit, das neue Verhalten vor der MPU auszuprobieren.

Haben Sie manchmal auch Schwierigkeiten in Arbeit mit den Kunden?

– Natürlich, alle Menschen sind unterschiedlich. Damit die Arbeit erfolgreich ist, muss die Chemie zwischen dem Kunden und dem Psychologen auch stimmen. Die meisten Probleme entstehen aber dann, wenn der Kunde nicht bereit ist, sich zu öffnen und an sich zu arbeiten. Wir haben hier aber auch unsere Methoden, die uns helfen auch mit solchen Kunden letztendlich gut und produktiv zu arbeiten.

Vorbereitung zum MPU Test – Was sind das für spezielle Methoden?

– Das wichtigste ist – den Menschen zu akzeptieren so, wie er ist. Ihm nichts vorzutragen, sondern zur Seite zu stehen und zu helfen, sich selber zu verstehen. Zuhören. Zu verstehen geben, dass es in unserem Interesse liegt, dass er die Ursachen für sein Verhalten erkennt und verändert, damit er nicht noch mal die gleichen Fehler macht.

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